Werfen wir zunächst einen Blick in die Geburtsurkunde. Da heißt es unter dem 17. Mai 1890 im Protokollbuch der städtischen freiwilligen Feuerwehr wie folgt:
Versammlung zur Gründung einer städtischen freiwilligen Feuerwehr zu Bergisch Gladbach. Die erste Versammlung zwecks Gründung einer städtischen freiwilligen Feuerwehr in Bergisch Gladbach wurde unter sehr reger Beteiligung am 17. Mai 1890 im Bergischen Hofe abgehalten und von Herrn Bürgermeister Clostermann gegen 8 Uhr eröffnet. Letzterer ergriff zuerst das Wort. Er wies darauf hin, wie nötig es sei, an hiesigem Platze eine Feuerwehr zu gründen und versicherte, daß es schon lange sein lebhafter Wunsch sei, eine solche ins Leben zu rufen. Mancherlei Schwierigkeiten aber hätten der Ausführung dieses Planes entgegengestanden und seine Verwirklichung immer wieder verhindert. Zuerst sei die finanzielle Lage der städtischen Gemeinde eine solche, daß er größere Geldopfer, ohne welche an die Gründung einer Feuerwehr nicht gedacht werden könne, der Bürgerschaft nur mit großem Widerstreben auferlege. Dann aber sei die geschickte Leitung einer Feuerwehr so schwer, daß sie nur einer bewährten Kraft anvertraut werden könne. Im Stadtbaumeister Engels, der sich der Sache sofort mit lebhaftem Interesse angenommen habe, sei nun die geeignete Persönlichkeit gefunden. Und nun seien, fährt der Redner fort, alle seine Bedenken geschwunden; mit ganzer Kraft werde er sich jetzt der Verwirklichung seines lang gehegten Planes zuwenden und er hoffe auf die Unterstützung aller Versammelten rechnen zu dürfen. Diese Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. Bei der hierauf stattfindenden Wahl eines Ausschusses stimmte die Versammlung zu.
Als Vorsitzender:
- Bürgermeister Clostermann
- Baumeister Engels
- Fabrikant J. Berger
- Schreinermeister Heck
- Schreinermeister Engels
- Dachdeckermeister Engels
- Maurermeister Pfeiffer
- Kupferschmiedemeister Steinkrüger
- Dachdeckermeister Heidkamp
Da nach den Darlegungen des Herrn Friedrich Westphal Gefahr drohte, daß durch Gründung eigener Fabrikfeuerwehren die Entstehung der freiwilligen städtischen Wehr erschwert würde, beschloss die Versammlung, Vertreter der bedeutendsten Firmen in das Comitee zu berufen, damit deren Ansichten klargelegt und berücksichtigt werden könnten.
Auf Vorschlag traten dem gewählten Ausschusse noch bei die Herren:
- H. Zanders
- W. v. Hövel
- James Reynolds
- Dr. O. Schmidt
Die hierauf in Umlauf gesetzten Listen zeigten 72 Unterschriften für die Mitgliederschaft.
Mit herzlichem Dank für die rege Beteiligung schloß Herr Bürgermeister Clostermann die Versammlung.
Bergisch Gladbach, den 17.5.1890
Soweit die Geburtsurkunde. Wie wir also gesehen haben, traten anlässlich der Gründungsversammlung 72 Bürger der Wehr bei. Dennoch scheint im Gründungsjahre trotz Vorhandenseins der Wehr alles ruhig verlaufen zu sein. Erst am 5. 2. 1891 erfolgte die 1. Alarmierung der neugegründeten Wehr, die im Protokollbuch wie folgt festgehalten ist:
"Am Donnerstag, dem 5. Februar, brach in dem Trockenraum der Holzwollfabrik von Schileider & Wolde Feuer aus. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle und konnte nach einer Stunde Arbeit wieder abrücken."
Es würde zu weit führen, die Jahre der Kindheit unserer Feuerwehr im einzelnen hier aufzurollen. Man könnte über viele ergötzliche Vorkommnisse, aber auch über viele schwierige Einsätze berichten. Indes verdienen einige wesentliche Begebenheiten hier festgehalten zu werden. So heißt es aus dem Jahre 1891, daß nach einem Beschluß des Wehrkommandos die Stiftungsfeste der Wehr alljährlich mit einer Schauübung verbunden werden sollten. Im Jahre 1892 nahm die Mülheimer Feuerwehr erstmalig am Stiftungsfest in Bergisch Gladbach teil, und diese gemeinsame Feier scheint so gut gefallen zu haben, daß nach einem durchgeführten Beschluß nun in Zukunft immer die benachbarten Wehren zum Fest eingeladen wurden.
Im Jahre 1895 genehmigte die Stadtverwaltung die Kosten für die Gestellung eines Pferdes zur Beförderung der Geräte zum Übungsplatz und zu den Einsatzstellen. Das Jahr 1896 ist dadurch gekennzeichnet, daß die Firma Köttgen der Wehr einen Schlauchwagen lieferte. In demselben Jahre tritt der erste Brandmeister, Stadtbaumeister Engels, infolge Umzugs aus der Wehr aus und wird von dem Fabrikanten Theo Schulze als Brandmeister abgelöst. Im gleichen Jahre erfolgt auch die Gründung der Musikkapelle, wobei lobend hervorgehoben werden muß, daß sämtliche Instrumente von Gladbacher Bürgern gestiftet wurden.
Hier noch einige bemerkenswerte Einsätze aus der damaligen Zeit:
22. November 1896: Großfeuer in der sogenannten Leimküche der Schnabelsmühle von J. W. Zanders.
6. Oktober 1897: Großfeuer im Kadettenhaus in Bensberg. Das Kriegsministerium sprach am 5. November 1897 der Stadt für die Entsendung der Löschgeräteschaften und den Wehrleuten für die geleistete erfolgreiche Hilfe den allerherzlichsten Dank aus.
"Noch einmal", so heißt es, "wurde in diesem Monat die Wehr alarmiert und zwar nachts gegen 24.00 Uhr. Es galt eine Person zu suchen, welche nachmittags ihr Haus verlassen hatte und von den Ihren und den Nachbarn vergebens gesucht worden war. Da man ein Unglück annahm, wurde die Hilfe der Wehr in Anspruch genommen und es gelang auch zwei Wehrmännern, die Person zu finden, jedoch als Leiche im Strundener Bach".
Die Wehrleute erhielten bei ihrem Eintritt in die Wehr an Kleidungs- und Ausrüstungsstücken leihweise je einen Tuchrock, einen Segeltuchrock, einen Brandkittel, einen Helm, eine Mütze und einen Leibgurt; die der Steigerabteilung zugewiesenen Männer außerdem einen Steigergurt, ein Spitzbeil, eine Steigerleine und ein Nackenleder.
Diese Gegenstände sind Eigentum der Stadt.
Zur Schulung der Wehr übte dieselbe in den Sommermonaten an jedem 2. Sonntag von vormittags 6.30 bis 9.30 Uhr auf dem Übungsplatz und an dem mit einem Kostenaufwand von etwa 500,-- Mark errichteten Steigerturm an der Schule Heidkamperstraße.
In den Wintermonaten hielt einer der damaligen Kommandomitglieder im Wehrlokal Lehrvorträge über das Feuerlöschwesen.
Im Jahre 1900 verzieht Brandmeister Schulze ebenfalls von Bergisch Gladbach und seine Nachfolgeschaft als 1. Brandmeister übernimmt der Kupferschmiedemeister Wilhelm Steinkrüger. Bis zum Jahre 1904 hat die Wehr ihr Stammlokal bei dem Gastwirt Gustav Viethen, später gefällt es ihr in der Gastwirtschaft Johann Wielpütz besser.
Das Jahr 1904 ist in der städtischen Feuerwehr dadurch gekennzeichnet, daß der Posthaltereibesitzer, Max Grummert, der Wehr zum Transport der Geräte zwei Pferde zur Verfügung stellt.
1906 legt Brandmeister Steinkrüger sein Amt nieder und Albert Illinger tritt an seine Stelle.
Von besonderer Bedeutung für das Feuerlöschwesen ist das Jahr 1907: Im Jahre 1907 wird Paul Hartleb bereits 2. Brandmeister.
Am 1. 1. 1907 tritt die Polizeiverordnung für die Rheinprovinz in Kraft. Sie fordert für unsere Wehr durchgreifende organisatorische Änderungen, schafft ihr aber auch eine gesetzliche Grundlage. Es wird bestimmt, daß überall da, wo keine Berufs- oder anerkannte freiwillige Feuerwehr besteht, die Einrichtung einer Pflichtfeuerwehr vorzunehmen ist. Die Stadtverwaltung bittet die Behörde, die bestehende Wehr als eine gesetzliche anzuerkennen.
Die Anerkennung erfolgt durch die Regierung in Köln am 20. Mai 1908.
Am 19. Februar 1907 wird ein Ortsstatut über die Einrichtung des Feuerlöschwesens in der Stadtgemeinde Bergisch Gladbach erlassen.
Hiernach wird der gesamte Feuerlöschdienst der freiwilligen Feuerwehr übertragen.



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